Individuelle Förderplanung an der Traugott-Weise-Schule

Warum individuelle sonderpädagogische Förderung?

(Sonderpädagogische) „Förderung ist die geplante schulische Bildung und Erziehung unter erschwerten individuellen Bedingungen.“[1]

Sonderpädagogische Förderung gründet sich auf die Eingangsdiagnose des sonderpädagogischen Gutachtens im Rahmen der AO- SF und auf eine sich daran anschließende lernprozessbegleitende Diagnostik während der gesamten Schulzeit der Schülerin oder des Schülers.

Ziel einer solchen Eingangsdiagnose ist die Klärung, welcher sonderpädagogischer Förderbedarf ggf. bei dem betreffenden Kind vorliegt. In diesem Zusammenhang muss dann, bei Vorliegen eines diagnostizierten sonderpädagogischen Förderbedarfs, darüber beraten und entschieden werden, an welchem Förderort, also an welcher Schule oder in welcher Lerngruppe das betreffende Kind am besten gefördert werden kann. Diese Entscheidung trifft die Schulaufsicht auf der Basis des oben genannten sonderpädagogischen Gutachtens, eines medizinischen Gutachtens und evtl. weiterer Grundlagen.

Die den schulischen Lern- und Entwicklungsprozess durchgehend begleitende Diagnostik schreibt die Eingangsdiagnose unter verschiedenen Fragestellungen fort:

Ziel der gesamten schulischen Bildungs- und Erziehungsarbeit und der darauf gründenden Bildungs- und Erziehungsplanung ist immer ein möglichst hohes Maß an Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit für unsere Schülerinnen und Schüler, damit sie trotz und mit ihrer Behinderung ihren Platz in der sozialen Gemeinschaft finden.

An der sonderpädagogischen Förderung einer Schülerin bzw. eines Schülers sind an unserer Schule immer mehrere Personen beteiligt: Lehrkräfte, Therapeuten, Eltern, sowie zusätzliches Hilfspersonal wie z. B. Zivildienstleistende, FSJ`ler, Integrationshelfer oder Praktikanten und auch die Schülerinnen und Schüler selbst.

Für sie alle bildet die individuelle Förderplanung (neben den Arbeitsplänen für die gesamte Klasse oder für klassenübergreifende Maßnahmen wie z. B. den Kursunterricht oder von zusätzlichen Arbeitsgruppen) eine wichtige  gemeinsame Arbeitsgrundlage.

Worauf gründet sich die individuelle sonderpädagogische Förderplanung?

Unsere behinderten Schülerinnen und Schüler mit geistigen Behinderungen, die fast immer Mehrfachbehinderungen sind, haben in allen Lern,- Entwicklungs- und Lebensbereichen einen besonders umfassenden schulischen Förderbedarf[2]

Deshalb ist für sie als Förderort unsere Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung von der Schulaufsicht festgelegt worden.

Dem aus diesen vielfältigen und umfangreichen Behinderungen resultierenden umfassenden Lern- und Entwicklungsbedarf unserer Schülerinnen und Schüler sollen und wollen wir an unserer Schule in unserer konkreten Bildungs- und Erziehungsplanung und in unserer Arbeit in allen Lern- und Entwicklungsbereichen (unter Berücksichtigung unserer konkreten schulischen Rahmenbedingungen) verantwortungsvoll entsprechen.

Der individuelle Förderbedarf, beschrieben in der Lern- und Entwicklungsdiagnostik, versucht dabei immer den „ganzen Menschen“ in seiner konkreten Lebenssituation zu sehen, soweit wie möglich unter Einbeziehung und Berücksichtigung der außerschulischen Lebens- und Lernsituationen.

Deshalb sind insbesondere die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten für uns ganz wichtige Partner, aber auch Einrichtungen der Wohlfahrtspflege, die Jugendämter und andere Einrichtungen.

Was ist eine individuelle Förderplanung?

Die Anlage unserer speziell und individuell auf die einzelnen Schülerinnen und Schüler ausgerichteten individuellen sonderpädagogischen Förderplanung gründet zunächst auf der Tatsache, dass alle unsere Schülerinnen und Schüler sowieso einer besonderen und umfassenden sonderpädagogischen Förderung in allen relevanten Lern,- Entwicklungs- und Lebensbereichen bedürfen.

Dennoch gibt es bei allen unseren Schülerinnen und Schülern jeweils spezifische Lern- Entwicklungs- und Lebensbereiche, in denen sich besondere Bedarfe zeigen, die in der individuellen Förderplanung für die einzelnen Schülerinnen und Schüler noch einmal besondere Berücksichtigung finden:

Unsere individuellen sonderpädagogischen Förderpläne greifen diesen spezifischen Bedarf auf, thematisieren und beschreiben ihn, ganz konkret und ganz speziell auf die einzelnen Schülerinnen und Schüler abgestimmt.

Dabei ist unsere Förderplanung immer zugleich stärken – als auch problemorientiert:

Mit Hilfe des Planungsinstrumentes individueller Förderplan wollen wir spezifische Lern- und Entwicklungsdefizite, aber auch besondere Stärken und Neigungen bei jeder einzelnen unserer Schülerinnen, bei jedem einzelnen unserer Schüler ganz gezielt in den Blick nehmen. Dadurch sollen spezifische Lern- und Entwicklungsdefizite, aber auch Stärken, rechtzeitig erkannt werden um sie, wenn möglich, abzubauen bzw. um besondere Stärken und Neigungen besonders zu fördern.

Der individuelle sonderpädagogische Förderplan ist insofern ein spezifisches förderdiagnostisches Planungs- und Reflexionsinstrument für die gezielte individuelle Förderung unserer Schülerinnen und Schüler.

An unserer Schule werden deshalb für alle Schülerinnen und Schüler individuelle sonderpädagogische Förderpläne angelegt und fortgeschrieben.

Planen geschieht immer „in einem Spannungsfeld von Chancen und Risiken:

Denn einerseits gilt: „Wer plant, arbeitet zielgerichtet und effektiver“, andererseits ist zu beachten: „Wer den Menschen gerecht werden will, darf sie nicht verplanen ...“

Deshalb muss, „wer pädagogisch plant, offen bleiben für das, was sich ungeplant ereignet“[3] Diese Spannung zwischen vorgeplanter, zielgerichteter Bildung und Erziehung und gleichzeitiger Offenheit im Hinblick auf notwendige aktuelle Veränderungen und Ereignisse soll in der Anlage und in der Handhabung unserer Förderplanung sichtbar werden.

Was beinhaltet ein Förderplan an unserer Schule?

Im konkreten Förderplan werden für jede Schülerin und für jeden Schüler, ausgehend von seinem konkreten Entwicklungsstand in einem spezifischen Lern- und Entwicklungsbereich, die nächsten Entwicklungsschritte und  Entwicklungsziele, einschließlich einer darauf abgestimmten unterstützenden Lernorganisation konkret beschrieben und benannt.

Lern- und Entwicklungsbereiche sind:

Zu dem relevanten Lern- und Entwicklungsbereich wird ein spezifischer individueller Förderbereich benannt, von dem aus dann der derzeitig beobachtbare Entwicklungsstand der jeweiligen Schülerin des Schülers beschrieben wird. Davon ausgehend werden konkrete Förderziele benannt, die im Planungszeitraum erreicht werden sollen, sowie die unterstützende Lernorganisation und es werden Indikatoren benannt, anhand derer das Erreichen oder Nichterreichen des individuellen Förderzieles beobachtet werden kann.

Zusätzlich sind in unserem sonderpädagogischen Förderplan Vereinbarungen mit den an der Förderplanung Beteiligten (s. o.) über unterstützende und begleitende Maßnahmen, über die Rahmenbedingungen der unterstützenden Lernorganisation, über spezifische Hilfen, Unterstützung und Beratung festgelegt, sowie Umsetzungsmöglichkeiten zum Erreichen der vereinbarten Ziele und die Überprüfung (Evaluation) des Lern- und Entwicklungsprozesses.[4]

Wie sind unsere Förderpläne in unsere gesamte schulische Bildungs- und Erziehungsarbeit integriert?

Unsere Förderpläne sind, wie schon gesagt, ein Teil unserer gesamten sonderpädagogischen Bildungs- und Erziehungsplanung:

Wir unterscheiden die Planung für die Arbeit mit der gesamten Klasse, mit einer Teilgruppe, in Kursen und Arbeitsgemeinschaften und für einzelnen Schülerinnen und Schülern. Alle Planungen sind miteinander verwoben, damit unserer Bildungs- und Erziehungsarbeit gelingen kann.

Die „hohe Kunst“ der Bildungs- und Erziehungsplanung liegt, sowohl in der Planung als auch dann in deren Umsetzung in der konkreten schulischen Arbeit, letztlich in der Zusammenschau und in der Vereinbarkeit von individuellen und gemeinsamen Lern- und Erziehungszielen bzw. -inhalten in einer Klasse oder in einer Lerngruppe,.

Wie werden die individuellen Förderpläne an unserer Schule realisiert?

Aufgrund des besonderen Förderbedarfs und des spezifischen Lernverhaltens unserer Schülerinnen und Schüler[5] haben wir uns dafür entschieden, dass in der Regel 1-2 Förderpläne pro Schuljahr für jede Schülerin, für jeden Schüler angelegt werden.

In ihnen soll die aus unserer Sicht vorrangigen Lern- und Entwicklungsbereiche für die jeweiligen Schülerinnen und Schüler besonders thematisiert, beschrieben und realisiert werden.

Das Klassenteam entscheidet dabei in eigener Verantwortung sowohl über die Schwerpunktsetzung der Förderpläne für die einzelnen Schülerinnen und Schüler in ihrer Klasse, als auch über den Zeitpunkt der Fortschreibung oder der Veränderung der individuellen Förderpläne im laufenden Schuljahr. Grundlage dafür sind die lernbegleitende Diagnostik und die Evaluation der Förderpläne auf der Basis der zuvor in den individuellen Förderplänen formulierten Indikatoren zur Zielerreichung.

Sollte sich also zeigen, dass ein Förderziel früher erreicht wird als ursprünglich angenommen, wird der Förderplan entsprechend fortgeschrieben oder ggf. ein anderer Lern- und Entwicklungsbereich verstärkt in den Blick genommen.

Eine Förderplanung ist (wie unsere anderen Planungen, s. o.) insofern immer prozess- und ergebnisorientiert.

Sie kann in 5 Schritte eingeteilt werden und ist eingebettet in die gesamtschulische Erziehungs- und Bildungsarbeit:[6]

 



  • Diagnostik und Dokumentation des aktuellen Entwicklungsstandes in einem vorrangigen Lern- und Entwicklungsbereich
  • Präzisierung des vorrangigen Förderbedarfes in diesem Bereich und Zielformulierung
  • Planung der konkreten und der unterstützenden Lernsituation und Berücksichtigung der Gesamtplanung in der Klasse, im Kurs
  • Umsetzung der Planung und begleitende Lerndiagnostik
  • Evaluation und Fortschreibung der individuellen Förderplanung

(Grafik vergrößern)

Sollte sich herausstellen, dass die Förderplanung in ihrer Anlage den einzelnen Schülerinnen und Schülern nicht gerecht wird, muss diese neu überdacht und neu angelegt werden. (Dieses gilt so im übrigen natürlich auch für unsere gesamte Erziehungs- und Bildungsarbeit.)

Die Einsicht und die Entscheidung über eine notwendige Fortschreibung oder Korrektur der individuellen Förderplanung und über dessen Zeitpunkt kann vernünftigerweise nur in der Kompetenz, in der Einsicht und in der Verantwortung des Klassenteams liegen: „Wer plant, arbeitet zielgerichtet und effektiver“, andererseits ist zu beachten: „Wer den Menschen gerecht werden will, darf sie nicht verplanen ...“ . (Siehe oben unter „Was ist ein sonderpädagogischer Förderplan?“ )


[1] J. Schumacher: Planen mit Gewinn – wem nützen individuelle Förderpläne? (Script der Bensberger Tagung 2003)

[2] Verordnung über die sonderpädagogische Förderung (...). – Ausbildungsordnung gemäß §52 SchG – AO- SF:

 „Geistige Behinderung liegt vor bei hochgradiger Beeinträchtigung im Bereich der kognitiven Funktionen und in der Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit und wenn hinreichende Anhaltspunkte dafür sprechen, dass  die Schülerin oder der Schüler zur selbständigen Lebensführung voraussichtlich auch nach dem Ende der Schulzeit auf Dauer Hilfe benötigt“ – vergl. auch: Richtlinien der Schule für Geistigbehinderte 1980

(3]  J. Schumacher, a.a.o.

[4] siehe Formular Förderplanung, weiter unten

[5] vergl. RICHTLINIEN 1980, S.8

[6] nach J. Schuhmacher, Seminarskript 2003


Beispiel und leeres Formular

(zum Vergrößern anklicken)

(zum Ausdrucken anklicken)


Deckblatt

 

Anleitung Förderplanformular

1. Wahrnehmung, Motorik, ...) entsprechenden Bereich markieren (= entsprechende Zelle)
2. In der Schaltfläche „Hervorheben“ (kleiner Stift, normalerweise neben der Schaltfläche A = Schriftfarbe in der Leiste oben)  Schattierung wählen (z.B. „grau, 25%)
3. Vorrangigen Förderbereich des Lern-/Entwicklungsbereichs aufschlüsseln

Begriffsklärung

Die Entwicklungsbereiche Wahrnehmung, Motorik, Kommunikation, Sozialverhalten, Kognition, Emotionalität, Motivation sowie Lern- und Arbeitsverhalten beeinflussen sich gegenseitig und sind nicht immer exakt voneinander abzugrenzen. Alle Lern- und Entwicklungsbereiche entwickeln sich über die Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs zu Förderbereichen.

Die Lern- und Entwicklungsbereiche werden zu einzelnen Förderbereichen spezifiziert, um gezielte und differenzierte, an den psycho-physischen Voraussetzungen des Kindes orientierte Förderprozesse einleiten zu können.

Im Förderplan ist eine Entscheidung hinsichtlich des vorrangigen Förderbereichs notwendig.

In der Tabelle sind verschiedene vorrangige Förderbereiche als Vorschläge benannt.

Lern-und Entwicklungsbereiche

Wahrnehmung

Motorik

Kommunikation

Lern-/Arbeitsverhalten

Förderbereiche

visuelle
auditive
taktil-kinästhetische
vestibuläre
olfaktorische
gustatorische
Diskrimination
Körperorientierung
Raumorientierung

Grobmotorik
Feinmotorik
Koordination
Integration
Körpergeschick
Bewegungsplanung
Bewegungssteuerung

Kontaktaufnahme
Mimik/Gestik
Sprachentwicklung
Sprachverständnis
Wortschatz
Ausdrucksfähigkeit
Sprachgebrauch
Schriftsprache
Begriffsbildung

Denk- u. Arbeitsstil
Aufmerksamkeit
Konzentration
Arbeitstempo
Antrieb
Durchhaltefähigkeit
Transferfähigkeit
Organisation
Flexibilität
Belastbarkeit
Methodenkompetenz
Exploration
Kreativität
Frustrationstoleranz
Initiative
Selbstständigkeit

Lern- und Entwicklunsgbereiche

Sozialverhalten

Kognition

Emotionalität

Motivation


Förderbereiche

Kontaktaufnahme
Soziale Empathie
Kooperations- u. Interaktionsfähigkeit
Konfliktverhalten
Eigen- und Fremdwahrnehmung
Ich-Identität
Spielfähigkeit
Frustrationstoleranz
Integrationsfähigkeit

Kombinationsfähigkeit
Abstraktionsfähigkeit
Problemlösen
Begriffsbildung
Transferfähigkeit
finales Denken
Planungsfähigkeit
Urteilsbildung
Kreativität
Spielfähigkeit
Gedächtnis
Reversibilität
Vorstellungsfähigkeit
Generalisierung
Strukturierung

Antrieb
Frustrationstoleranz
Stabiliät
Empathie
Reversibilität
Selbst- u. Fremdwahrnemung
Urteilsfähigkeit
Affektstabilität
Affektkontrolle  Ausdrucksmöglichkeiten

Interesse
Motive
Umfang
Konstanz
Einstellung
Neugier
Antrieb
Intrinsische/extrinsische Motivation
Ausdauer

(Kein Anspruch auf Vollständigkeit; in Anlehnung an Berndt-Schmidt u. a.: ZfH 7/95)

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(Formulare)

 


Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung
Wüstenhöferstr. 175
45355 Essen
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