Kulturtechniken


Lesen und Schreiben

Das gesprochene und geschriebene Wort bildet die Grundlage für Kultur und Denken einer Gesellschaft. Um sich ihre Umwelt zu erschließen, ist es daher für Schülerinnen und Schüler mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung von großer Bedeutung, im Bereich Sprache möglichst hohe Kompetenzen zu erwerben. Das Erreichen des Ziels der Selbstverwirklichung in sozialer Integration ist zu einem wesentlichen Teil abhängig von der Fähigkeit, mit Schriftsprache umzugehen.

Sprechen, Lesen und Schreiben ist aber mehr, als der reine Umgang mit Schriftsprache. Lesen schließt auch das Verstehen von Körpersprache, Handlungen, Bildern, Symbolen und Signalen ein. Schreiben im erweiterten Sinn heißt, sich auf den unterschiedlichen Ebenen in kommunikativer Absicht auszudrücken. 

Fachdidaktische Grundlage der Vermittlung von Lesen und Schreiben an der Traugott-Weise-Schule ist der erweiterte Lesebegriff nach Hublow, der von Werner Günthner („Lesen und Schreiben lernen bei Geistiger Behinderung“) aufgegriffen wurde und in folgenden Kernaspekten zusammengefasst werden kann:



Lesen ist:


Schreiben

Schreiben ist unterteilt in:

  • Kritzelstadium und Schemazeichnen – Vom Schreibmittel greifen um auf Schreibunterlage  „Spuren“ zu hinterlassen bis hin zum Zeichen mit einer kommunikativer Absicht um anderen etwas mit den Bildern mitzuteilen
  • Erste Buchstaben und Lautschrift – Beispiele: geometrische Formen mit erkennbaren Richtungswechseln zeichnen, Buchstabenähnliche Zeichen schreiben, einzelne Buchstaben schreiben, eigenen Namen schreiben, Zuordnung von Laut zu Buchstaben (Graphem-Phonem-Korrespondenz), Schreiben der Buchstaben in Wörtern in der Reihenfolge in der man sie hört (ROLA = Roller), Einsatz von Groß- und Kleinbuchstaben, Buchstaben und einzelne Wörter richtig abschreiben von einer Vorlage, einfache lauttreue Wörter richtig und lesbar schrieben, Besitz eines kleinen Grundwortschatzes in dem die Wörter in Gemischtschreibweise orthografisch richtig geschrieben sind, über erste orthografische Regeln verfügen (z.B. erster Buchstabe eines Substantivs ist immer groß), einzelne Druckbuchstaben verbunden schreiben (Entwicklung einer individuellen Handschrift)

Wir orientieren uns darüber hinaus auch an Hans Brügelmann („Kinder auf dem Weg zur Schrift“), der darauf hinweist, dass die Zugänge zur Schrift immer einem individuellen Lernweg folgen. Deshalb erfolgt die Vermittlung von Lesen und Schreiben an der Traugott-Weise-Schule handlungsorientiert, alltagsbezogen und vor allem schülerzentriert. Brügelmann sieht diese Einführung  von Schriftelementen und Leseverfahren aber nur als einen von vier Bausteinen des Unterrichts, die gleichwertig berücksichtigt werden sollten. Gerade für ältere Schüler werden so weitere Perspektiven des Lese- und Schreibunterrichts eröffnet. Diese Vier sind: 

  • Systematische Einführung von Schriftelementen und Leseverfahren
  • Freies Scheiben eigener Texte 
  • Gemeinsames (Vor-)Lesen von Kinderliteratur
  • Aufbau und Sicherung eines Grundwortschatzes

Entsprechend ihrer Fähigkeiten erhalten an unserer Schule alle Schüler und Schülerinnen, auch diejenigen mit einer Schwerstmehrfachbehinderung,  -im erweiterten Sinne- Bildungsangebote in diesen vier Bereichen. Daraus ergibt sich als Konsequenz ein sehr vielfältiges Bild des Angebots im Bereich Lesen und Schreiben.   

Lese- und Schreibangebote der Traugott-Weise-Schule: 

  • Erlernen von GebärdenFür alle Schülerinnen und Schüler ist es wichtig, dass eine allgemeine Verlässlichkeit auf die wesentlichen Elemente des Leseunterrichts besteht, damit sie bei einem Klassen- bzw. Stufenwechsel nicht (jedes Mal) mit anderen Gebärden konfrontiert werden und umlernen müssen. Deswegen werden im gesamten Schulalltag lautsprachunterstützende Gebärden genutzt, die auf dem Vokabular der DGS (deutsche Gebärdensprache) aufbauen. 
  • Piktogramm-Nutzung: Als Piktogramme werden in der Regel die Metacom-Symbole eingesetzt, da diese z.B. auch bei den unterstützt kommunizierenden Schülern auf den Talkeroberflächen eingesetzt sind (Informationen zu Kommunikationshilfen und -förderung bei nichtsprechenden Schülern / Unterstützte Kommunikation). Die Piktogramme werden eingesetzt, um Sachinhalte zu verdeutlichen, Kommunikation zu unterstützen und Schülern jenseits von Schriftsprache eine Möglichkeit zu geben, ihre Erfahrungen und Bedürfnisse zu dokumentieren.
  • Kursunterricht: Lesen und Schreiben wird im Kursunterricht (möglichst homogene Schülergruppen) in der Regel zweimal wöchentlich unterrichtet. Dort wird speziell der Bereich der Einführung von Schriftelementen und Leseverfahren behandelt. Individuelle Übungen, auch zum Wiederholen und Festigen der Kursinhalte finden in der Freiarbeit statt. 
  • Leselehrgang / Unterrichtsmaterial: Als verbindliche Basis für den Unterricht in den Vor- und Unterstufen wurde die „Momel“-Reihe (Dreher/Pfaffendorf) als Leselehrgang gewählt, da sie Sprachentwicklungsproximale Ansätze unter Beachtung der Lautentwicklungsreihe nach Jakobsen aber auch Artikulationsschwierigkeiten von Schülern berücksichtigt, sinnvolle Ganzwörter verwendet und das „Schwäbische Mund-Hand-System“ nutzt, um passende Handzeichen für die einzelnen Buchstaben zu gebärden. Auf individuelle Bedürfnisse wird trotz des stufenförmigen Aufbaus des Leselehrgangs natürlich Rücksicht genommen. Ältere Schüler wünschen eher Medien, die ihrem Alter entsprechen, auch darauf wird in den Kursen der Mittel-, Ober-, Familien- und BPS-Klassen eingegangen. Medien wie Zeitschriften und Computer spielen eine deutlich größere Rolle. Als Schrifttyp wird in der Regel eine Schulschrift gewählt. 
  • Klassenunterricht: Daneben bietet der Klassenunterricht durchgängig Lernanlässe, um die Schülerinnen und Schüler im Bereich „Lesen und Schreiben“ auf den verschiedenen Stufen zu fördern, zum Beispiel das Symbollesen (z.B. Stundenplan, Stationskarten beim Sport, Bildrezepte im Hauswirtschaftsunterricht lesen), das Ganzwortlesen (z.B. beim Vorhabenunterricht: Schilder lesen, beim Hauswirtschaftsunterricht: Einkaufszettel lesen), Lesen von Texten (Arbeitspläne, Rezepte, thematische Texte in den Vorhaben), Aufbau eines Grundwortschatzes (z.B. thematische Wortsammlungen im Vorhabenbereich wie Ländernamen, Herbstwörter,…) und das freie Schreiben von Texten (Plakate über Klassenausflüge, Berichte für die Homepage, Erstellen von thematischen Vorträgen, Schreiben von Einkaufszetteln, Verfassen von Briefen).
  • Kooperation und Nutzung der Schul- und Stadtteilbibliothek: Gemeinsames (Vor-) Lesen von Kinder- und Jugendliteratur, Ausleihe von Medien, Informationsgewinnung aus Sachliteratur, Auseinandersetzung mit Geschichten und Erzählungen, szenisches Spielen und Erleben von geschriebenen Texten.

 

 




Rechnen

 

Rechnen lernen unsere Schüler handelnd. In ihrer alltäglichen Umwelt kommen sie immer wieder mit mathematischen Strukturen oder Zeichen in Berührung. Daher ist es von besonderer Bedeutung, dass ihnen vielfältige, entwicklungsadäquate Möglichkeiten der aktiven, handlungsorientierten Auseinandersetzung mit mathematischen Inhalten angeboten werden.

  • Raumerfahrung: (Orientierung in Räumen - Räume herstellen Räume in ihrer Ausdehnung wahrnehmen - Raum-Lage-Beziehungen.

  • Im vorzahligen Bereich verteilen sie Bonbons gleichmäßig, spielen „Mensch ärgere dich nicht“ , sortieren Bausteine ohne im klassischen Sinne rechnen zu können.        Mengen werden geordnet und verglichen, zerlegt und verändert. Ordnungskriterien werden definiert (z.B. Größe, Länge, Breite, Farbe, Form, Oberbegriffen etc.).     Wichtig für unsere SchülerInnen ist, dass diese grundlegenden Erfahrungen immer mit konkreten Materialien und in konkreten Situationen ermöglicht werden.

  • Im numerischen Bereich ist für die Erarbeitung des Zahlbegriffes  nicht nur das Erfassen von Mengen sondern auch das Erkennen der Zahlbeziehung (Anzahl / Ordinalzahl)von Bedeutung. Bevor ein Schüler einen Zahlbegriff erwirbt, vermag er in der Regel eine Zahlenreihe aufzusagen („Eins“, „Zwei“, „Drei“, „Vier“, „Fünf“), ohne diese Zahlen allerdings mit konkreten Mengen in Bezug setzen zu können. Dies erfolgt dann im
    Rahmen der „korrespondierenden“ Zuordnung (1:1), so z.B. der Zuordnung zu jedem Ei gehört ein Eierbecher, jedes Kind bekommt einen Stuhl. Anschließend erfolgt die „provozierende“ Zuordnung mit Mengen größerer Mächtigkeit, so z.B. jede Hand hat fünf Finger, ein Auto hat vier Räder, jedes Kind bekommt zwei Bonbons. Es lassen sich nun bestimmte Mengen ausgliedern oder auch gleichmächtige Teilmengen bilden.

  • Ab einem bestimmten Punkt sind Mengen größerer Mächtigkeit nicht mehr simultan, d.h. auf einen Blick, zu erfassen (beispielsweise Mengen ab 5 und größer). Hier gewinnen dann die Form des Abzählens und die Arbeit mit den sog. Ordinalzahlen an Bedeutung. Das heißt, dass zunächst Objekte oder Gegenstände zugeordnet, aufgereiht, geordnet und gezählt werden. Parallel hierzu werden Zahlennachbarn unter dem Ordnungsaspekt erarbeitet (wer ist erster, zweiter, dritter; in lückenhaften Zahlenreihen die fehlende Zahl finden; verdrehte Zahlenreihen richtig stellen). Unter Berücksichtigung der spezifischen Möglichkeiten des Schülers werden dann Zahlen als Ziffern geschrieben und auch gelesen.

  • Ebenfalls in den Mathematikunterricht fallen die Bereiche des Umgangs mit Geld, sowie mit den verschiedeneren Maßen. Der Umgang mit Geld stellt für viele Schüler einen Bereich dar, in dem sie mathematische Regeln und Beziehungen lebensnah erfahren können. Zunächst werden Münzen und Scheine kennen gelernt (hierzu gibt es übrigens in einigen Klassen „richtiges“ Rechengeld). Münzen werden erkannt, benannt und Merkmale beschrieben.

Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung
Wüstenhöferstr. 175
45355 Essen
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