Ski AG

Seit nunmehr 20 Jahren ist die Ski AG mit einer jährlichen Skifahrt fester Bestandteil auf dem Stundenplan für SchülerInnen unserer Schule.  In den ersten Jahren konzipiert als Winterfreizeit auch für SchülerInnen, die auf Grund körperlicher Handicaps oder sehr starker Wahrnehmungsstörungen nicht in der Lage waren, auch bei massiver Hilfe- und Haltestellung auf Skiern den Übungshang hinunter zu fahren. Für sie gab es ein Alternativprogramm mit Schlitten fahren, Schneeballschlachten, Spielen im Schnee.

Seit nun 4 bis 5 Jahren hat sich durch die veränderte Schülerschaft auch der sportliche Anspruch in der Ski Freizeit verändert. 13 Jahre Ski alpin mit Menschen mit geistiger Behinderung haben viele Erfahrungen, eine Menge Spaß, aber auch Erschrecken und Erleichterung, wenn alles gut geht, mit sich gebracht.

Die Aufgeregtheit, sowohl der Schüler als auch der Begleiter, beim Ausleihen der Skier, beim Passieren der Liftschranken, beim ersten Liften, beim Fahren auf dem Übungshang, beim Stürzen und Aufstehen ist einer beruhigenden Bekanntheit gewichen und es gibt eine gewisse Routine, die jedoch immer wieder durch Anfänger, durch sich verändernde Situationen im Skigebiet, durch neue Begleiter in gesunder Weise durchbrochen wird.

Mittlerweile konnten die langjährigen Begleiter feststellen, dass gemessen an den individuellen Einschränkungen der einzelnen SchülerInnen jede/r einen Lernzuwachs verbuchen kann. Die Bandbreite reicht vom Zuwachs an Sicherheit beim Laufen auf ungewohnten Untergründen, über eigenständiges An- und Ausziehen von Winterbekleidung (sehr schwierig Fingerhandschuhe und Skistiefel) bis hin zum Gleiten auf Skiern, einen Pflugbogen fahren, stoppen, eine Talabfahrt bewältigen, usw.

Das Skigebiet 

Unser Lieblingsskigebiet ist das Ahrntal in Südtirol, Italien. Ein kleines überschaubares Tal mit zwei voneinander getrennten Skigebieten.

Das sicherlich schönere für Schüler mit Behinderungen ist das Skigebiet Speikboden. Hier bringt seit der Saison 2006 eine Achtergondel die Skifahrer auf 2000 m Höhe und im Skigebiet gibt es mittlerweile  ausschließlich Sessellifte an jedem Hang. Die Hänge weisen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade auf, so dass auch die „Cracks“  noch bei wiederholtem Mitfahren auf ihre Kosten kommen.

An der Talstation gibt es einen sehr schönen Anfängerübungshang. Nur wenn der Winter schon weit fortgeschritten ist, ist hier der Schnee ab Mittag sehr sulzig. Im oberen Bereich reicht das Skigebiet bis auf 2400 m und erwies sich in den Jahren als sehr schneesicher.

 

Die Organisation

Gute Erfahrungen haben wir mit dem Veranstalter für Schulfahrten Alpe - Tour gemacht. Mittlerweile liegen die Kosten für einen 8- tägigen Aufenthalt mit Skipass für 6 Tage mit der Skiausleihe bei 300,00 € und bei vielen Eltern ist die Schmerzgrenze überschritten. Mit Hilfe von Spendengeldern versuchen wir den Kostenbeitrag zu vermindern.

Die Fahrt wird klassenübergreifend organisiert für SchülerInnen ab dem Ende der Unterstufe mit einem Betreuungsschlüssel abhängig von den mitfahrenden SchülerInnen und den Fahranfängern. In der Regel umfasst die Gruppe 17-20 SchülerInnen und 6 bis 8 BetreuerInnen.

Methodische Arbeitsweise

Eine gute methodische Grundlage für das Erlernen des Skifahrens für Menschen mit geistiger Behinderung bieten die Ski- Lehrpläne des Deutschen Skiverbandes. Diverse Literatur über spielerische Übungsformen für Skianfänger gibt es en masse. 

Als richtig hat sich erwiesen, die übenden SchülerInnen nicht zu zu texten, sondern ganz viel „learning by doing“ zu ermöglichen. Ein Handschuh im Schnee, den man beim Vorbeigleiten aufheben muss, ist weitaus hilfreicher, als 10 mal mit den Begriffen rechts und links zu operieren.

Voraussetzung für das eigenständige Fahren auf dem Übungshang ist das Stoppen der Skier im Pflug oder mit dem Pflugbogen.

Da das Üben oftmals eine wenn auch geringe Neigung des Berges erfordert, nimmt auch die Frage der Absicherung von schwereren SchülerInnen, die noch nicht zuverlässig über die Technik des Stoppens verfügen, einen Stellenwert ein.

Als sehr effektiv hat sich das Stoppen durch einen Hintermann oder -frau locker verbunden mit mehreren Fahrradschläuchen oder Skistöcken erwiesen, denn auch so kann man schwere SchülerInnen lenken und vor allen Dingen in der Geschwindigkeit kontrolliert über die Piste leiten und im Notfall auch zum Stehen bringen.

Auch das „Manöver des letzten Augenblicks“: sich fallen lassen oder umgeschmissen zu werden sollte man in Situationen, in denen der Schüler sich selbst oder andere Personen gefährdet, unter Umständen einsetzen

Hinweise

Fazit

15 Jahre Ski Alpin haben gezeigt, dass Menschen mit geistiger Behinderung auch dieses sportliche Betätigungsfeld nicht vorenthalten werden muss. Sie benötigen u.U. eine sehr viel längere Zeit, unzählige Situationen des Selbstausprobierens, erarbeiten sich zuweilen einen sehr eigenwilligen, jedoch sicheren Fahrstil und gewinnen alleine durch die Aktivität „Ich kann auch Skifahren“ eine immense Portion an Selbstvertrauen.                          

Ich will, ich will Skifoarn..

(Bilder einer Skifreizeit )


(Erlebnisbericht Skifreizeit von Astrid Henrichs-Schnellmann)

Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung
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