Eine kleine Geschichte der Traugott-Weise-Schule

   
 Der neu gestaltete Eingangsbereich.Die Lehrküche im Erdgeschoß.

Die Traugott‑Weise‑Schule ist, wie viele andere Förderschulen für Geistige Entwicklung, aus den ehemaligen Tagesbildungsstätten hervorgegangen. In ihrem Gründungsjahr 1975 bestand sie noch aus drei verschiedenen Gebäuden an drei verschiedenen Örtlichkeiten innerhalb Essens.

1980 kam dann der Umzug in unser jetziges Schulgebäude, dem ehemaligen Bethesda-Krankenhaus in Essen- Borbeck.

Fast zeitgleich mit der Nutzung des Gebäudes durch die Traugott‑Weise‑Schule wurden ein Schwimmbad und eine Turnhalle angebaut, die 1982 eröffnet wurden: Räumlichkeiten, die wir auf keinen Fall mehr entbehren wollen!

Durch dieses große, alte Gebäude verfügt die Schule über erhebliche Raumkapazitäten. Seit 2000/2001 arbeitet die Stadt Essen den im Laufe der Jahre angefallenen Instandhaltungs- und Renovierungsbedarf am Gebäude auf. So verfügt die Schule, eine renovierte Aula, eine neues Brandschutzsystem, neue Fenster und nach über 30 Jahren wurden auch die Farbanstriche in den  Fluren erneuert. Danach gab es dann den neuen Außenanstrich mit Isolierung und ein neues Dach. Zu guter Letzt und für die Arbeit und den gesamten Schulalltag besonders wichtig folgten die Umgestaltung und Renovierung der Sanitärbereiche mit entsprechenden Pflegemöglichkeiten.

Neben diesen städtischen Umbauarbeiten erfolgte im Laufe der Jahre die Ausstattung und Einrichtung zusätzlicher Förderräume: wie z.B. des Pränatalraumes, des Psychomotorikraumes, eines Raumes zur Förderung Schwerstbehinderter, des Insel- und Trainingsraums und des Klangraums und zwei weiterer Lehrküchen.

Gerade diese Räume wurden - ebenso wie viele Geräte - fast ausschließlich durch großzügige Spenden finanziert.

Johann Traugott Weise, der Namensgeber unserer Schule und Wegbereiter der Sonderpädagogik

Johann Traugott Weise

Johann Taugott Weise wurde am 14. April 1793 in Langenau geboren. Schon früh verwaiste der Junge. Freunde ermöglichten ihm daraufhin den Besuch des Stiftsgymnasiums in Zeitz.

1812 trat Johann Traugott Weise in das Nebenseminar des Gymnasiums ein und wurde drei Jahre später "Zweiter Lehrer" an der Tochterschule in Zeitz. 1821 wurde er dann provisorisch, 1823 definitiv "Erster Lehrer" der Armenfreischule. Armenfreischulen wurden im 19. Jahrhundert in den deutschen Teilstaaten von Kindern der ärmsten Volksschichten besucht, deren Eltern das Geld für die kommunale Elementarschule nicht aufbringen konnten. In Berlin waren das um 1830 die Hälfte aller Schüler.

Von 1823 ab war Johann Traugott Weise Lehrer und später Leiter des Nebenseminars. Seit 1845 war er Vorsteher der Armenfreischule. In dieser Funktion widmete er sich der Reorganisation dieser Schule. In der Folgezeit wurde dort teilweise bessere Leistungen als in der Bürgerschule erzielt. Seine Verdienste wurden 1853 anerkannt, indem ihm das "Allgemeine Ehrenzeichen" anerkannt wurde. Am 19. November 1859 starb Johann Traugott Weise in Zeitz.

Bekannt blieb Johann Traugott Weise insbesondere durch seine Schrift von 1830: „Betrachtung über geistesschwache Kinder in Hinsicht der Verschiedenheit. Grundursachen, Kennzeichen und Mittel, ihnen auf leichte Art durch Unterricht beizukommen. Mit besonderer Rücksicht auf die Pestalozzi'sche Rechenmethode".

Diese Schrift weist den Autor als einen Lehrer aus, der sich einerseits ernsthaft um die Kenntnis seiner Schüler bemüht, sich um die Schwachen besonders sorgt und ihre Eigenart zu verstehen sucht: Andererseits scheint sich Johann Traugott Weise selbst ganz als Schüler J.H. Pestalozzis gefühlt zu haben.

Die Hilfe, die er geistesschwachen Kindern zu bieten versucht, erinnert stark an "die vorschulische Belehrung" in Pestalozzis "Buch der Mutter und das "ABC der Anschauung oder Anschauungslehre der Maßverhältnisse" (1800). Über die an der Armenfreischule seit 1803 bestehende Nachhilfeklasse für "geistesschwache Kinder" berichtet  Johann Traugott Weise jedoch nicht. Hier wurde, nach einem Inspektionsbericht, noch 1849 „ …. für diese sinnbeschränkten Kinder ein spezieller Unterricht in wöchentlich 10 Stunden" erteilt". Dabei setzte sich der engagierte Lehrer für eigene „Lehranstalten für Geistesschwache" ein, „deren Menschheit oft mit Füßen getreten wird und die in den üblichen Schulen wie in einer Folterkammer" leiden.

Damit wurde Johann Traugott Weise zu einem Wegbereiter in der Sonderpädagogik.

Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung
Wüstenhöferstr. 175
45355 Essen
www.traugott-weise-schule.de