Schülerinnen und Schüler mit Autismus an der TWS

„Irgendwie anders“

Sie sind „irgendwie anders“ als unsere anderen Schüler.

Daniel zum Beispiel:

Allmorgendlich kommt er mit der Verschlusskappe einer Milchflasche zur Schule. Er dreht sie, vor seinen Augen haltend, ausdauernd zwischen seinen Fingern. Des weiteren liebt er das Verweilen im Flur, um das Kommen und Gehen in der Nachbarklasse zu beobachten. In ritualisierter Form grüßt er einzelne Mitschüler und Lehrer, bzw. kommentiert und begleitet die Arbeit der Küchenfrau, sobald diese die Frühstückskörbe bringt.

Hasgül zum Beispiel:

Sie ist ein sehr besonnen wirkendes Mädchen. Sie läuft gern umher und separiert sich von der Gruppe. Dann nimmt sie einzelne Haare, dünne Fäden oder Flusen zwischen die Finger und spielt, die Dinge vor den Augen hin und her drehend, damit unentwegt.  Unter den Spielmaterialien interessiert sie sich kurzzeitig für rollende Dinge; anderem Spielzeug  wendet sie sich nicht zu.

Sie braucht für die Ausübung beliebiger Tätigkeiten stets eine individuelle Anleitung.

Mike zum Beispiel:

Mike ist an verschiedenen Sachthemen sehr interessiert und erweitert sein diesbezügliches Wissen über das intensive Studium entsprechender, mit Bildern unterlegter Bücher. Zu seinen ausgesprochenen Vorlieben gehören Vögel, hier insbesondere Tauben, Eulen und Greifvögel.  Tagtäglich verlässt er während des Klassenunterrichts mehrmals den Raum, um auf dem Schulhof auf Taubensuche zu gehen. Mit einem ausdauernden lauten Klatschen vertreibt er die in der Nähe befindlichen Tauben.

Kurze Information zum Behinderungsbild


Es gibt verschiedene Formen von Autismus. Die zwei Hauptformen sind der Asperger-Autismus und der frühkindliche Autismus auch Kanner-Autismus genannt.

Dem Erscheinungsbild liegen Auffälligkeiten in drei Bereichen zugrunde:

  • Schwere Kontaktstörung

Die Kinder können keine normale Beziehung zu ihren Bezugspersonen herstellen. Sie ziehen sich zurück, kapseln sich ab. Sie verhalten sich in sozialen Situationen unangemessen

  • Beeinträchtigung der verbalen und nonverbalen Kommunikation

Sie haben Probleme Gesten, Mimik oder Sprache zu verstehen. Sie haben stereotype Sprachmuster. Sie haben ein mangelndes Verständnis für die Gefühle und die Bedürfnisse anderer.

  • Eingeschränktes Repertoire an Interessen und Aktivitäten

Jede Veränderung in der Umwelt verunsichert die Kinder. Sie können nicht spielen und benutzen Dinge immer in gleicher, oft zweckentfremdeter Weise. Es zeigen sichStereotypien wie z.B. Drehen und Kreiseln von Rädern, Wedeln von Bändern und Papier.

Des Weiteren zeigen Kinder mit Autismus Handlungsstörungen unterschiedlichen Ausmaßes. Sie sind vielfach nicht in der Lage, einfache alltägliche Verrichtungen, die ihnen hinreichend bekannt sind, selbständig auszuführen. Hier erwecken sie oftmals den Anschein, aus Bequemlichkeit oder Unlust eine gewünschte Tätigkeit nicht auszuführen.

Die Behinderung geht immer mit Verhaltensweisen einher, die wir gemeinhin als auffällig oder zumindest als ungewöhnlich bzw. befremdlich bezeichnen.

Weitere Auffälligkeiten sind:

Probleme beim Essen / Schlafen, selbststimulierende Verhaltensweisen bis zur Selbstverletzung, exzessives Sammeln von Gegenständen, Ausführen von Handlungen in ritualisierter Form, stetige Wiederholung immer derselben Verhaltensweisen oder sprachlichen Äußerungen.

Pro 10.000 Kinder sind 4 – 5 Kinder betroffen, Jungen 4 mal häufiger als Mädchen.

Kinder mit frühkindlichem Autismus werden vornehmlich an Förderschulen für Geistige Entwicklung bzw. Förderschulen für Körperliche und Motorische Entwicklung beschult.

Gesondertes Unterrichtsangebot


Seit mehreren Jahren erhält diese Schülergruppe an unserer Schule ein gesondertes Unterrichtsangebot. Unter Berücksichtigung der besonderen Merkmale ihrer Behinderung und der daraus resultierenden zum Teil eher nicht geläufigen Förderbedarfe werden sie in einer Gruppe von 5 bis 8 „Autisten“  gemeinsam unterrichtet. Im Unterricht werden Elemente von TEACCH (ein aus den USA stammender pädagogisch-therapeutischer Ansatz, entwickelt für Kinder mit Autismus) verwandt. Seit 2010 sind zwei Kurse eingerichtet worden:

  •  Kurs I (Delfin-Kurs) für Vor- und Unterstufenschüler.
  • Im Kurs II sind 8 Schüler in einem Alter zwischen 11 und 19 Jahren.

Beide Kurse werden von jeweils zwei Lehrerinnen geleitet. Teilweise nehmen Schüler in Begleitung der Integrationshelferin teil.
Alle Beteiligten – Schüler und Schülerinnen sowie Lehrerinnen – messen dem speziellen Unterricht eine besondere Bedeutung bei. Sie sind allesamt mit Freude dabei. 

   



(Lesen Sie dazu auch einen Artikel aus der NRZ vom 5.4.2008)

 

Folgende Bilder sind vom NRZ Fotografen: R.B. Tietz

Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung
Wüstenhöferstr. 175
45355 Essen
www.traugott-weise-schule.de