Schülerinnen und Schüler mit Autismus Spektrum an der TWS
Rund 20% unserer Schüler*innen sind dem Bereich der „Autismus-Spektrum-Störungen“ zuzuordnen. Ihre Behinderung basiert auf einer veränderten Wahrnehmungsaufnahme und -verarbeitung, woraus Besonderheiten im Denken, Verstehen und Handeln resultieren.
Zum Autismus-Spektrum gehören die Diagnosen
- Frühkindlicher Autismus
- Atypischer Autismus
- Asperger-Syndrom
Eine klare Abgrenzung der drei Subtypen ist meistens nicht möglich, die Übergänge sind fließend. Autismus-Spektrum-Störungen offenbaren sich dabei in unterschiedlichen Schweregraden und Erscheinungsformen von geistiger Behinderung bis hin zu normaler Intelligenz. An der Traugott-Weise-Schule sind die Schüler*innen aus dem Autismus-Spektrum entsprechend dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung grundsätzlich eher den ersten beiden Diagnosen zuzuordnen.
Folgende Merkmale kennzeichnen die Autismus-Spektrum-Störung:
- Qualitative Beeinträchtigungen der sozialen Interaktion, z.B. beim Verständnis und Aufbau von Beziehungen
- Beeinträchtigungen in der Kommunikation und Sprache
- Auffälligkeiten im Spiel-, Beschäftigungs- und Arbeitsverhalten, konkret ein deutlich eingeschränktes Repertoire an Interessen und Aktivitäten sowie stereotype Verhaltensweisen
Schüler*innen aus dem Autismus-Spektrum lassen sich nur eingeschränkt in den Klassenunterricht integrieren und entsprechend ihres Förderbedarfs unterrichten. Häufig ergeben sich Missverständnisse in der Kommunikation zwischen ihnen und den sogenannten neurotypischen Mitschüler*innen und Lehrpersonen. So können z. B. zweideutige Aussagen, Mimik und Gestik meistens nicht wie erwartet verstanden werden. Oftmals stellt der Klassenunterricht eine Überforderungssituation für diese Schüler*innen dar, weil sie mit wechselnden Angeboten und Arbeitsformen sowie unvorhergesehenen Situationen nicht gut umgehen können. Demzufolge reagieren sie nicht selten mit –in unseren Augen– „auffälligem Verhalten“.
Wir bieten Schüler*innen aus dem Autismus-Spektrum an der Traugott-Weise-Schule einen speziellen Kursunterricht an, der versucht, deren individuellen Förderbedarfen in besonderem Maße Rechnung zu tragen, die sogenannten „Delphin-Kurse“. Der Name ist auf ein in den Kursen verwendetes Maskottchen, einem Stoffdelphin, zurück zu führen. Dieser Kursunterricht für Schüler*innen aus dem Autismus-Spektrum ist ein einmal wöchentlich stattfindendes zusätzliches Angebot, wird aber z. T. auch im Rahmen der Kurssysteme der einzelnen Stufen angeboten. Auf diese Weise kann eine große Zahl von Schüler*innen davon profitieren. Ein Kurs wird in der Regel von bis zu 10 Schüler*innen besucht, die von zwei Lehrpersonen unterstützt durch Integrationshelfer*innen unterrichtet werden.
Ziel der „Delphin-Kurse“ ist es, die Schüler*innen in einem räumlich und zeitlich stark strukturierten Rahmen sowie einem ritualisierten Ablauf in den Bereichen Kommunikation, Wahrnehmung, Handlungskompetenz und soziales Lernen zu fördern. Der Unterricht orientiert sich stark an dem Konzept des TEACCH-Programms mit seinen Prinzipien Strukturierung (räumlich, zeitlich, personell) - Individualisierung - Wiederholung und Übung.
In einem klar strukturierten Unterrichtsverlauf mit ritualisierten Sequenzen und gleichförmiger Lehrer*innen-Ansprache erhalten die Schüler*innen die Möglichkeit, ein für sie hohes Maß an Handlungskompetenz und Selbständigkeit zu entwickeln.
TEACCH Raum an der TWS
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Seit dem Schuljahr 25/26 hat die TWS einen speziellen Förderraum für Schüler*innen mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS) eingerichtet. Der Raum orientiert sich am TEAACH-Konzept (Häußler, Anne (2022): Der TEACCH Ansatz zur Förderung von Menschen mit Autismus. 6. Auflage. Verlag modernes lernen, Dortmund).
Der Raum ist reizarm eingerichtet und verfügt neben fünf Arbeitstischen ebenso über einen Pausenbereich. Schüler*innen mit ASS können ein oder mehrere Male in der Woche das Angebot wahrnehmen – je nach individuellem Bedarf.
Die 30-minütige Fördereinheit ist hoch strukturiert und verläuft jedes Mal nach dem gleichen, verlässlichen Muster ab. Nach einer ritualisierten Begrüßung suchen die Schüler*innen ihren Arbeitsplatz auf. Dort finden sie eine Klett-Tafel mit Schildern, die den Ablauf der Zeit im TEACCH-Raum darstellt. Der Ablauf ist stets der gleiche: Arbeitsphase – 3 Minuten Pause – Arbeitsphase – 3 Minuten Pause – Arbeitsphase – Fertig.
Die dazugehörigen drei Aufgaben befinden sich auf drei Regalbrettern in Schränken neben dem Tisch. Die Schränke diesen zur Strukturierung der Aufgaben und gleichzeitig als Raumtrenner für konzentrierteres und ungestörteres Arbeiten. Die bereitgestellten Aufgaben orientieren sich an den Stärken der Schüler*innen und sollen sie individuell in den Bereichen Motorik, Wahrnehmung und Kognition fördern. Der Aufbau und Ablauf der Zeit im TEACCH-Raum soll die Schüler*innen darüber hinaus in den Bereichen der Kommunikation, des Arbeitsverhaltens, des Sozialverhaltens und der Emotionalität fördern.
Die Erfahrung zeigt, dass die Schüler*innen mit ASS das Angebot gerne annehmen und es ihnen hier leichter fällt, Fortschritte zu erzielen.


